TANGO SALON BASEL

Esther und Mingo Pugliese

 

Sie lebten für den Tango
Sie haben viele Stars ausgebildet
Sie gaben vielen eine Lebensgrundlage

Am 13. August 2011 ist Esther gestorben. Wir sprechen Mingo unser herzliches Beileid aus.

 

Nachruf

„Schreib: Esther und Mingo Pugliese. Esther mit einem H“. So Mingos Kommentar, als er meinen ersten Flyer begutachtete. Ich hatte Esther schlicht vergessen. Lange gab es für mich nur den grossen Mingo. Esther, obwohl nicht zu übersehen, verschwand oft hinter dieser dominanten Persönlichkeit. Doch mit der Zeit zeigte sich eine neue Esther, eine nachdenkliche Esther, eine augenrollende Esther, wenn Mingo wieder mal eine gewagte Behauptung aufstellte. Er hatte das Wort, sie stand hinter ihm. Doch ohne sie ging gar nichts. Wenn er unklar führte, zuviel redete, Prinzipien ummodelte hörte ich Esther mit ihrem unvergesslichen Ton erwidern: „Pero noooo, papiiiiii“.

Doch Mingo fand auch rührende Komplimente. Einmal flanierten wir zu dritt durch die Strassen von Basel und er erzählte mir aus seinem Leben. Beim Thema „Frauen“ sagte er, er hätte mehrer Frauen gekannt: eine lernte er an einer Milonga kennen und habe sich gleich in sie verliebt. Sie hiess Esther. Eine andere wurde seine Lieblings-Tanzpartnerin. Sie hiess Esther. Eine dritte schenkte ihm Kinder. Sie hiess Esther. Eine vierte teilte sein Leben mit ihm, seinen zweiten Beruf (Mingo war Bildhauer!), den Tango, eine fünfte unterrichtete mit ihm, eine sechste ging mit ihm auf Tournée durch die Welt und alle hiessen Esther. Esther und Mingo stritten oft, doch sie liebten sich. Einig waren sie sich dort, wo Tangopopulisten ihr Handwerk trieben oder wo Ämter ihnen Steine in den Weg legten. In ihren Kommentaren waren sie heftig, doch zugleich respektvoll.

 

Um näher bei der Kundschaft zu sein zog Mingo vor wenigen Jahren allein nach Montesilvano in Italien. Jedesmal aus Buenos Aires nach Europa zu reisen sei zu anstrengend und zu teuer. Von Italien aus sei er beweglicher. Esther hielt es ohne ihn nicht aus und zog nach. Aus Liebe und widerwillig. In den letzten Jahren und Monaten musste das Paar beobachten, wie die Zeiten sich geändert haben und eine neue Generation mit hervorragenden Dozenten herangewachsen war. Ob sie dies aber nur spürten, ahnten, und doch nicht so recht wahrnehmen wollten... Doch für Mingo gab es kein Zurück. Wie oft hat mir Esther gesagt, sie würde bei der ersten Gelegenheit zurück nach Buenos Aires gehen. Fern von der Heimat war sie allein, ohne Familie, ohne soziales Netz. Vielleicht finanziell etwas besser abgesichert, doch auch dieses Thema stand auf wackligen Füssen. Sie wusste: Buenos Aires bedeutet Heimat, Familie, Freundinnen. An den Milongas ist sie jemand, sie hat einen sozialen Status, sie wird geachtet. Das alles sollte ein Wunsch bleiben. In Basel musste sie Ärzte aufsuchen, es ging ihr nicht gut. In Montesilvano war es bald die Intensivstation. Für den Rückflug hat die Zeit nicht gereicht. Sie ist einsam gestorben.

 

Der Tango hat eine Persönlichkeit verloren, ein Stück lebende Tangogeschichte. Wieviele Stars haben ihre Kunst bei ihr gelernt? Sie hatte das geübte Auge einer Zauberin. Ein einziger Blick, und sie erkannte die Wurzel eines Übels. Ihre Verzierungen sind legendär. Esther zeigte allen, wie der Tango mit dem Alter immer schöner wird. Gibt es ein grösseres Geschenk?

 

Mathis Reichel
kennt Esther und Mingo Pugliese seit 15 Jahren und hat sie an seinen Tango Salon Basel zu teils mehrmonatigen Workshops eingeladen.   

tangosalonbasel.ch

 

 
Danke für den schönen Nachruf von Esther Pugliese. Es hat mich grad zu Tränen gerührt – hast du doch in den wenigen Zeilen viel von dem gesagt, was ich in den paar wenigen Begegnungen mit Esther und Mingo, im Tangoclub Aarau, erleben und spüren durfte.
Mit lieben Grüssen, Esther

Einen sehr schönen, lebendigen, persönlichen ... und traurigen Nachruf hat Mathis Reichel aus Basel veröffentlich.
Anna Scheer

Lieber Mathis,
vielen Dank für den schönen, sehr persönlichen und sehr offenen Nachruf für Esther. Wir haben sie ja nur kurz kennengelernt, aber Du schilderst genau das, was auch uns an dem Paar fasziniert hat und was Esther - wie auch Mingo - zu den Persönlichkeiten gemacht hat, die sie waren und sind. Nur durch den starken Charakter konnten sie die Tangoszene so prägen wie sie es getan haben. Und wie Du gesagt hast: Ihre Ideen leben in jedem getanzten Tango weiter. Wir hoffen, dass wir durch unsere finanzielle Unterstützung nun Mingo weiterhelfen können. Wird er nun zu seiner Familie nach Buenos Aires zurückkehren? Ist es möglich, dass auch Esther nun in ihre Heimat kommt?
Liebe Grüsse,
Barbara und Marc Sutter

Dein Nachruf für Esther Pugliese hat mich sehr berührt. Vielen Dank.
Peter